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Im Aquarium der Rechtsanwälte

Published by in Büro on August 11th, 2008

Unser Bürogebäude liegt gegenüber einem anderen Bürogebäude. Dessen Wände sind weitgehend verglast, nur zwischen den Stockwerken liegen dickere Balken. Das sehe ich also, wenn ich aus dem Fenster schaue. Ich schaue recht häufig aus dem Fenster, vor allem, wenn ich über etwas nachdenken muss. Und ich muss recht häufig über etwas nachdenken, denn dafür werde ich bezahlt.

Die Gleichmäßigkeit dieser Fensterfront hat etwas Beruhigendes, fast Meditatives. Dazu gehört auch, dass sie sich im Innern des Gebäudes fortsetzt. Die Tische, die Stühle, die Leuchten, die Wände, alles fügt sich zu einem homogenen Gewebe. Nur einige blasse Farbtupfer ziehen ab und zu gemächlich von links nach rechts und von rechts nach links. Ein zartes Blau, ein wenig Rosa und viel Weiß. Das sind die Hemden der Herren, die dort ihre Arbeit verrichten. Man hat mir erzählt, es handle sich um Rechtsanwälte.

Im Allgemeinen geht alles seinen ruhigen Gang, und das ist gut so. Nur manchmal erwecken kleine Unregelmäßigkeiten meine Aufmerksamkeit. So war es z.B. am Morgen nach dem Halbfinale. Ein etwas steifer Herr auf einer der oberen Etagen kam gleich zu Beginn des Tages von seinem üblichen Weg ab, der sonst ein gleichschenkliges Dreieck zwischen Tisch, Regal und Tür beschreibt. Mit eckigen Bewegungen näherte er sich seinem Schreibtisch von hinten, um von dort aus ebenso umständlich wie sorgfältig ein Fähnchen an seinem Computerbildschirm zu befestigen. Noch eine kurze Sichtprüfung der Knotenpunkte Regal, Tisch und Tür, dann begann sein Tag mit dem Lächeln desjenigen, der eins mit sich ist.

Auf den unteren Stockwerken litt kürzlich einer seiner Kollegen auf sympathische Weise unter der brütenden Hitze, die manchmal auch über Düsseldorf liegt. Gegen drei Uhr nachmittags – offensichtlich im Kampf mit einem anstrengenden Schriftsatz – versuchte er sich etwas Erleichterung zu verschaffen. In der Hoffnung auf einen kühlenden Luftzug öffnete er sein großes Fenster, lehnte sich in seinem Bürosessel mit hoher Lehne zurück, die Beine auf den Schreibtisch, den Schriftsatz in den Schoß. Für ein paar Minuten lächelte er entspannt in den Schriftsatz hinein. Aber mit zunehmender Entspannung kippte sein Kopf langsam nach hinten. Der Mund öffnete sich allmählich wie bei einem Karpfen, dann zehn Minuten seliger Schlaf. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Karpfenmund zwar gut aussieht, aber relativ schnell die Atmung behindert, so dass der Schläfer zumeist ruckartig in das Wachbewusstsein zurückgeholt wird. So auch mein Rechtsanwalt. Plötzlich nach vorne geworfen, der trockene Mund in aufgeregtem Auf und Zu, suchte er nach einer neuen stabilen Lage und fand sie in einer Rodins Denker nicht unähnlichen Position. Dort verharrte er unbeweglich wie Bronze, bis ich mir selbst einen Kaffee holen musste.

Unser Büro hat übrigens auch große Fenster, die sich in schöner Gleichmäßigkeit über die Fassade verteilen. Ich sitze also selbst im Aquarium der Rechtsanwälte. Worüber auf deren Blogs wahrscheinlich schon längst gelacht wird!



Betriebsausflug

Published by in Büro on July 18th, 2005

Gleich nach meiner Rückkehr von einer Europareise haben wir letzte Woche mit dem New Yorker Büro einen Ausflug zum Rafting auf dem Delaware River gemacht. Das war lustig. Eigentlich wie bei einem High School-Ausflug. Die Busfahrt viel zu lang, hinten im Bus viel Bier, Erics Ghettoblaster, lautes Gelächter, aber nichts zu essen. Nach vier Stunden angekommen, immer noch nichts zu essen. Dann der Einstieg in die Boote, bei uns plötzlich eine Flasche Vodka an Bord. Leer nach zehn Minuten, dann alles SEHR lustig. Ich bringe der Mannschaft “Mein kleiner grüner Kaktus” bei, in der Hoffnung auf Zusammenspiel, aber das Boot kreist weiter auf dem breiten Fluss. Viel zu wenig Wasser um diese Jahreszeit, wir bleiben dauernd an Felsen hängen und müssen immer wieder aussteigen. Christian fällt um, seine Nikon nimmt ein Bad, zum Ausgleich trifft er Joe mit dem Ruder am Kopf. Inzwischen werden texanische Universitätslieder gesungen. Nun verliert Christian einen Schlappen, den wir tatsächlich wieder einfangen. Aber immer noch nichts zu essen und jetzt auch nichts mehr zu trinken. Die Sonne steht hoch und sticht. Pinkelpausen und Gesang und paddeln, paddeln, paddeln, dreieinhalb Stunden paddeln, und immer noch nichts zu essen. Irgendwann weint Lisa ein wenig am Bootsrand, die anderen sind stumm, der Fluss steht fast still, die Zeit hat jede Messbarkeit verloren. —— Plötzlich sind wir da. Ein paar Mädels haben Burger und Hot Dogs gegrillt. Vor Aufregung falle ich beim Aussteigen ins Wasser. Biere aus Kühlkisten so groß wie Särge. Der Bus fährt gleich wieder ab! Die Busfahrt nochmal viel zu lang, hinten im Bus viel Bier, Erics Ghettoblaster, lautes Gelächter. Trotzdem drückt es mir die Augen zu. Gestern erst angekommen schlafe ich immer noch in Europa.

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