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Touristischer Moment in Ottawa

Wir mussten das Land verlassen. Wenigstens für einen Moment. Denn Ende Juli wird unser Visum ablaufen. Es ließ sich zwar noch einmal um zwei Jahre verlängern, man konnte das aber nur bei einem amerikanischen Konsulat außerhalb der Staaten tun. Die für uns am nächsten gelegenen Konsulate befinden sich in Kanada: Montreal, Toronto oder Ottawa, alle ungefähr acht Autostunden entfernt. Nur in Ottawa gab es einen passenden Termin. Es war nicht unsere erste Wahl, aber wir waren angenehm überrascht.

Ottawa, Parlament

Man merkt, dass Ottawa die Hauptstadt ist. Alles wirkt irgendwie sauber, aufgeräumt, geordnet. Es gibt offensichtlich Geld zur Pflege des öffentlichen Raums. Der Stadtkern wird vom Parlamentsgebäude dominiert, das auf einem Hügel über dem Ottawa-Fluss thront und Commonwealth-Luft atmet (siehe Foto). Es gibt auch eine Reihe sehr sehenswerter Museen. Insbesondere für das Canadian Museum of Civilization sollte man sich Zeit nehmen.
Die Geschichte der kanadischen Stämme hat vielfache Zweige und geht Jahrtausende zurück. Anbei ein Foto von der mächtigen Haupthalle des Museums, in der Original-Totempfähle und -Häuser von Indianern an der Atlantikküste aufgestellt sind.

In kulinarischer Hinsicht hat uns ein Besuch auf dem schönen Byward-Markt beeindruckt. Nach einem Bummel durch die gepflegten Marktstände fanden wir dort einen feinen Fischplatz mit einem sehr feinen kanadischen Weißwein.

Canadian Museum of Civilization

Am meisten blieb mir aber ein anderer touristischer Moment in Erinnerung. Als wir vom Parlamentshügel auf den Fluss herunterschauten, raste mit hoch erigiertem Bug ein Motorrennboot vorüber. Erst von rechts nach links, dann von links nach rechts, bevor es auf der Mitte des Flusses genau unterhalb des Parlaments haltmachte. Der Fahrer des Bootes stand auf, kletterte auf der Erektion ganz nach vorne, öffnete mit dem kleinen Hüftschwung, den nur Männer verstehen, die Badehose, um eine in der Sonne glitzernde Parabel in das Gewässer zu werfen. Mit einem zweiten Hüftschwung wurde das Werkzeug verstaut, bevor sein Beifahrer ihm mit genau derselben Übung folgte. Als das Boot sich wieder mit dumpfem Röhren des Motors aus dem Wasser hob, schien das Geräusch dazu aus den offenen Mündern der Touristen auf dem Hügel zu kommen.

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