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Good shot, nice play!

Published by in Folklore on June 4th, 2006

Wer Amerika verstehen will, muss beobachten, wie die Amerikaner mit Kindern umgehen, gerade beim Sport. Im vergangenen Winter hat Moritz zum ersten Mal in einer amerikanischen Basketball-Mannschaft gespielt. Das war für ihn eine große Sache, denn er hatte vorher noch keinen richtigen Basketball-Unterricht, und nun sollte er gleich mit amerikanischen Jungs und Trainern spielen, die er alle noch gar nicht kannte. Es kostete schon etwas Mut zu den so genannten “try-outs” zu kommen, wo die Jungs vorspielen mussten, um dann in Mannschaften eingeteilt zu werden. Moritz kam zu den “Rye Brook Warriors”, die von Ken und Bruce trainiert wurden. Ken war der Chef-Trainer, Bruce sein Assistent. Wie die meisten anderen Trainer auch, hatten beide bürgerliche Berufe und übernahmen das Trainer-Geschäft nur zum Spaß in ihrer Freizeit. Das ist hier ziemlich verbreitet. Zudem sind in den Mannschaften öfter auch die Kinder der Trainer zu finden. Bei den Warriors spielten Tyler, der Sohn von Ken, und Tucker, der Sohn von Bruce. So weit, so gut.

Nach nur einem Training wurde bereits gegen eine andere Mannschaft gespielt. Alle waren aufgeregt: die Jungs, die Trainer und die Eltern der Spieler, die im Allgemeinen in großer Zahl auf der Tribüne saßen. Natürlich ging am Anfang noch vieles schief, aber trotz ihres sichtlichen Engagements war von den Trainern kein negatives Wort zu hören. Vielmehr versuchten sie, ihren Spielern Mut zu machen. Wenn einer einen Wurf auf den Korb wagte, ohne zu treffen, so wurde er immer noch mit dem Zuruf “good shot!” belohnt. Und wenn eine Kombination gut anfing, im Abschluss aber scheiterte, so war das immer noch ein “nice play!”. Statt Fehler zu kritisieren, förderten sie die guten Ansätze. Risikobereitschaft wurde belohnt. So wurden die Jungs im Verlauf der Saison immer selbstbewusster und entwickelten Fähigkeiten, die zumindest wir nicht erwartet hätten. Für Moritz war das einfach sensationell. Vom Ausländer, den niemand kannte, stieg er zu einem der Stars auf. Dazu hat sicher auch beigetragen, dass er der größte in seiner Mannschaft war, aber ohne die positive Grundeinstellung der Trainer hätte gerade er sehr leicht scheitern können.

Wie anders war das in Deutschland! Dort war Moritz eine Zeit lang in einem Fußballverein. Ein muffiger Trainer kümmerte sich mehr schlecht als recht um 15 Jungs. Wenn er etwas zu bemerken hatte, dann war es Kritik. Natürlich wäre auch niemals daran zu denken gewesen, nach nur einem Training ein Spiel gegen eine andere Mannschaft zu machen. Stattdessen wurde krampfhaft trainiert. Wenn dann etwas nicht klappte, so war das für den Trainer immer ein Zeichen des Scheiterns, niemals ein guter Versuch. Moritz verlor schnell die Lust und stieg wieder aus.

Natürlich könnten wir in Amerika einfach Glück und in Deutschland einfach Pech gehabt haben, aber ich glaube hinter diesen Erfahrungen steckt etwas Allgemeineres. Die Amerikaner sind – nicht zuletzt im Geschäftsleben – oft selbstbewusster und risikofreudiger, weil sie in einer Kultur der Fehlertoleranz aufwachsen. Wer etwas ausprobiert, das nicht gelingt, ist nicht ein Versager, sondern ein Unternehmer, der etwas gelernt hat. Ohne ein großer Fussballkenner zu sein, habe ich den Eindruck, dass Jürgen Klinsmann, der ja bekanntlich in Kalifornien lebt, etwas von dieser Mentalität in das deutsche Team injizieren will. Als Zuschauer würde ich das auf jeden Fall begrüßen, denn wir würden dann sicher mehr Tore und mehr Spielfreude sehen.



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