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Smoke on the train!

Heute auf dem Weg mit dem Zug aus der Stadt. Wir waren immer noch unter der Erde unterwegs, als es plötzlich nach Feuer roch und kurz danach deutliche Rauchschwaden im Zug aufstiegen. Natürlich waren die Fahrgäste sofort beunruhigt, einige standen auch auf und liefen unruhig umher. Dann kam die erste Durchsage: “Folks, yeees, this smells like fire – and it is. There is something burning on the level below us. Keep cool, we’ll hurry out of the tunnel and get you some fresh air soon.” Und ein paar Sekunden danach: “This doesn’t mean that smoking is now allowed on this train.”



Harrison first stop!

Ich pendle fast täglich zwischen Manhattan und Westchester, das ist die Vorstadtgegend, in der wir wohnen. Dort leben ungefähr eine Million Leute, von denen etwa die Hälfte jeden Tag in die City und zurück muss. Das macht man nicht mit dem Auto – es sei denn in suizidaler Absicht -, sondern mit dem Zug. Es fahren also wirklich viele Züge auf dieser Strecke. Die Zuggesellschaft heißt “Metro North” und betreibt eine unabsehbare Zahl von silbern glänzenden Pendlerzügen. Ich verstehe das Fahren in diesen Zügen als folkloristischen Akt. Die Schaffner sind die Hohepriester des Zeremoniells. In jedem Zug gibt es Schaffner und Hilfsschaffner, so ähnlich wie bei den Sheriffs. Nur dem Schaffner steht das Privileg zu, die einzelnen Bahnhöfe anzusagen und im Falle von besonderen Vorfällen Kommentare oder Verhaltensregeln durchzugeben. Diese Leute haben das zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt. Nur ein Beispiel zur Einführung.

Am liebsten würde ich eine Porträtserie von der gesamten Mannschaft machen, aber einer liegt mir besonders am Herzen. Er dirigiert den Zug um 18:33 von der Grand Central Station nach Stamford. “Conductor” zu sein ist für ihn eine Berufung. Es handelt sich um einen verhältnismäßig großen, hageren Mittvierziger mit einem schaukelnden Gang, so ähnlich wie bei einem Pinguin, wenn es denn so etwas wie einen großen, hageren Pinguin gäbe. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Eigenart auf eine Fehlstellung der Knochen zurückzuführen ist oder sich einfach im Laufe der Berufsjahre herausgebildet hat. Jedenfalls ist sie ungemein nützlich, wenn er sich von Sitzreihe zu Sitzreihe bewegt, um die Fahrkarten zu sehen oder abzuknipsen. Dabei schlägt sein Körper wie ein umgedrehtes Pendel zu den Seiten aus, so dass ihm nichts entgeht. Seine eigentliche Passion sind aber die Ansagen der Bahnhöfe. Er gestaltet jede ein wenig anders und umspielt das Thema immer variationenreich, vor allem in der Tonalität. Besonders eindringlich wird das durch einen sehr nasalen Klang. Das mag daher kommen, dass auf seiner ohnehin schmalen Nase eine viel zu große Brille aus den Siebzigern sitzt, die das Organ praktisch verschließt. Nun muss man wissen, dass der Zug um 18:33 ein Expresszug ist, d.h. er lässt viele Stationen aus. Besonders lang ist das erste durchgehende Stück zwischen dem Hauptbahnhof und Harrison. Für den Mann ist das eine Pein. In diesen 30 Minuten staut sich die ganze Energie auf, die er sonst in die Ansagen der Zwischenstationen legen würde. So wird die Ansage von Harrison immer besonders intensiv. Er beginnt schon vor der eigentlichen Ankunft (Angela hat gesagt, man muss das auch hören, also habe ich es auch auf die angehängte Datei gesprochen): “Ladies and Gentlemen, we are approaching Harrison station. Make sure you got all your personal belongings. Next station is Harrison. Harrisson – Harrison – Harrison. Watch your step when leaving the train. HarrisonHarrisonHarrison, HAR-RI-SON next. This is the express train to Stamford, Harrison next stop. Har-ri-son, Har-ri-son, (jetzt singend) Har-ri-so-hon. Don’t leave anything on this train. We are now in Harrison station, this is Harrison, watch your step. HARRISON! Please change here for local service. This is an express train. Now in Harrison station. Have a nice evening!” Im Verlauf dieser Ansage baut sich die angestaute Energie ab. Zum Schluss hat er sich dann so verausgabt, dass für die nächste Haltestelle nur noch ein rachitischer Hauch übrig bleibt. Tatsächlich ist der Name des nächsten Ortes sehr kurz, so dass er sich gut in die Dramaturgie fügt: “Next stop is Rye – Rye – – Rye..”

Conductor: Harrison next!

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