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Geteiltes Land

Aus der Ferne betrachtet sieht Amerika aus wie ein Monolith. “Die Amis” scheinen alle gleich zu sein. Insbesondere nach der Präsidentschaftswahl habe ich aus Deutschland öfter den Kommentar gehört, sie hätten den Präsidenten bekommen, den sie verdienten. Die englische Tageszeitung Daily Mirror (Auflage knapp 1,8 Mio.) drängte es auf ihrer Titelseite vom 4. November in der Frage zusammen “How can 59,054,087 people be so dumb?” Eine Antwort auf diese Frage lieferte eine in Amerika lancierte Studie, in der eine Verbindung zwischen dem durchschnittlichen Intelligenzquotienten und dem Wahlergebnis in den jeweiligen Staaten hergestellt wurde. Demnach wäre der IQ in den republikanischen Staaten des sogenannten Bible Belts in der Mitte des Landes deutlich niedriger als in den eher liberalen Küstenregionen. Diese Studie wurde sogar im angesehenen Economist zitiert. Trotzdem ist es eine Ente, auf die die Öffentlichkeit nach dem ersten Wahlsieg Bushs schon einmal hereingefallen war. Auch wenn ich gegenüber Herrn Bush eine herzliche Abneigung empfinde, würde ich doch 60 Mio. Wähler nicht allein deshalb pauschal für einfältig halten, weil sie ihn gewählt haben. Noch kurzsichtiger ist es aber anzunehmen, die Bush-Wähler repräsentierten ganz Amerika. Tatsächlich haben von den knapp 300 Mio. Einwohnern der USA 62 Mio. Bush und 59 Mio. seinen Gegner Kerry gewählt (für den ich übrigens eine fast ebenso herzliche Abneigung empfinde). Jedenfalls zerfällt dieses Land politisch in zwei Hälften, und die Gegner stehen sich ziemlich unversöhnlich gegenüber. Unsere Vermieterin z.B. hätte uns ihr Haus nicht überlassen, wenn wir Bush-Anhänger gewesen wären.

Auch zweieinhalb Monate nach der Wahl hat die Hitze der Debatte nicht nachgelassen. Dafür habe ich ein eindrucksvolles Beispiel aus der Medienwelt. Während Bushs Inaugurationsfeierlichkeiten kam es auf dem regierungsfreundlichen Nachrichtensender Fox News zum Eklat. Man hatte die Journalistin Judy Bacharach vom Lifestyle-Magazin Vanity Fair mit der Erwartung zum Interview geladen, dass sie etwas zum Stil der Veranstaltung sagen würde. Das tat sie auch, aber in ganz unerwarteter Weise (siehe unten). Zu dieser politischen Teilung kommen übrigens noch viele andere: z. B. die zwischen West und Ost, die zwischen Nord und Süd oder die zwischen Schwarz und Weiß oder Arm und Reich. Davon vielleicht ein andermal.

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